Kraniche beobachten in Mecklenburg

Zweimal im Jahr können Touristen und Einheimische in Mecklenburg ein ganz besonderes Naturschauspiel erleben: Im Herbst legen die Kraniche auf ihrem Flug ins Winterquartier in Südeuropa und Nordafrika in Mecklenburg-Vorpommern eine Pause ein, im Frühjahr auf dem Rückweg ebenfalls. Die Region hat viele Möglichkeiten geschaffen, die Kraniche zu beobachten. Dabei kommt auch der Naturschutz nicht zu kurz.

Auf den Spuren der Vögel des Glücks

„Vögel des Glücks“ werden die beeindruckenden Tiere in Schweden genannt und das hat seinen Grund. Wenn die Kraniche kommen, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass der Winter zu Ende ist und der Frühling beginnt. Nun bietet der Nationalpark Müritz zwar auch im Winter eine Menge an Erlebnissen, aber am schönsten ist es in der wärmeren Jahreszeit. Und die begrüßt man gerne mit den Kranichen.

1700 Kilometer können diese Vögel ohne Zwischenstopp zurücklegen, die Rastplätze suchen sie nach den örtlichen Bedingungen aus. Im Herbst bieten vor allem die abgeernteten Mais- und Gerstenfelder in Mecklenburg-Vorpommern den Kranichen einen reich gedeckten Tisch, um sich für den Weiterflug zu stärken. Drei bis vier Wochen brauchen sie dafür, dann geht es weiter.

Gäste des Ferienparks Müritz können ihre tagtäglichen Flüge von den Futterplätzen zu den flachen Gewässerrändern an der Müritz beobachten, wo sie die Nacht verbringen. Dabei schlafen sie im Stehen und das Wasser bietet optimalen Schutz vor Füchsen und anderen Feinden. Wer Glück hat kann im Frühjahr auch das Balzritual der Kraniche beobachten – den sogenannten „Kranichtanz“. Ein besonderes Bild bietet sich zudem, wenn ganze Schwärme ihren Aufenthalt beenden und zur nächsten Etappe des Kranichzuges aufbrechen.

Ein Schwarm Kraniche ruht

Orte, an denen man Kraniche beobachten kann

Beeindruckend ist der Kranich aus vielerlei Gründen. Schon wegen seiner Größe von bis zu 1,30 Metern ist der Schreitvogel eine auffällige Erscheinung. In der Luft ordnen sich die Tiere V-förmig an, sie erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 65 Kilometern pro Stunde. Charakteristisch sind auch die trompetenartigen Laute, die sie erzeugen, indem sie ihre lange Luftröhre als Resonanzkörper benutzen.

Es gibt verschiedene Plätze, von denen aus man gut Kraniche beobachten kann. Da sind etwa der Rederang-See und die Spuklochkoppel auf dem Gebiet der Stadt Waren und die Halbinsel Großer Schwerin in der Müritz. Diese Halbinsel ist übrigens das älteste Naturschutzgebiet in Mecklenburg-Vorpommern, schon in den 1930er Jahren erkannte man seine Bedeutung für den Vogelschutz.

Schutz der Kraniche spielt eine wichtige Rolle

Der Vogelschutz wird auch heute noch groß geschrieben, gerade mit Blick auf die Kraniche. Es sind scheue Vögel, die im Schlaf und bei der Rast nicht gestört werden dürfen. Sie ruhen sich aus und fressen sich Energiereserven für den Weiterflug an. Werden sie dabei unterbrochen, kann dies fatale Folgen haben.

Bei jeder Flucht verbrauchen die Kraniche Energie, die sie für den Weiterflug benötigen. Hektische Bewegungen, grelle Kleidung, das Zuschlagen von Autotüren, das Blitzlicht von Fotoapparaten – all das kann die Kraniche aufschrecken. Naturfreunde berücksichtigen dies und halten ausreichend Abstand zu den Vögeln ein. Ein gutes Fernglas ist deshalb ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand für die Beobachtung und wer Fotos machen möchte, nimmt am besten ein starkes Teleobjektiv mit.

Kraniche beobachten: Zu Lande und zu Wasser

Am besten kann man Kraniche in Mecklenburg-Vorpommern unter fachkundiger Führung anschauen. Mit dem Kranichticket des Nationalparks kann man etwa von Müritz aus mit dem Bus zu den Beobachtungsplätzen fahren und dort an einer geführten, etwa vier Kilometer langen Wanderung teilnehmen. Das Ticket gibt es in Waren in der Touristeninformation und im Müritzeum, außerdem beim Nationalparkservice in Federow. Zum Schutz der Tiere werden in der Kranich-Saison verschiedene Wanderwege von der Nationalpark-Verwaltung gesperrt.

Auch auf dem Wasser kann man sich den Kranichen nähern, so etwa an der Halbinsel Großer Schwerin. Verschiedene Anbieter organisieren diese Fahrten, die in der Regel von ortskundigen Ornithologen begleitet werden.

Wildgänse brechen aus Mecklenburg auf

Ausflug nach Brandenburg

Wer die Beobachtung von Kranichen mit einem attraktiven Ausflug nach Brandenburg verbinden möchte, fährt nach Linum, etwa 60 Kilometer nordwestlich vor den Toren Berlins gelegen. Im dortigen Naturschutzgebiet Rhin- und Havelluch rasten ebenfalls die Kraniche, in manchen Jahren werden dort mehr als 100.000 Vögel gezählt. Beobachten kann man sie dort auch ohne organisierte Führung, dafür sollten die Regeln zum Schutz der Tiere umso strikter eingehalten werden.

Vom Naturschutz an der Müritz profitieren natürlich auch viele andere Arten, etwa die Wildgänse. Auch für sie ist die Region mit ihren vielen Gewässern ein guter Lebensraum. Gleich den Kranichen rasten sie in der Region auf ihrem Weg in den warmen Süden und auch bei der Heimreise im Frühjahr. Die großen Scharen, in denen sie nach kurzem Aufenthalt die Weiterreise antreten, sind gleichfalls ein beachtliches Schauspiel. Kraniche und Wildgänse in Mecklenburg – jedes Jahr ein Erlebnis!

©istockphoto.com/jbgrant ©istockphoto.com/TT ©istockphoto.com/Dennis Donohue

X