Das Fusion Festival – ein Gegenentwurf

Das Fusion Festival will kein Festival sein wie jedes andere. Das erkennt man allein daran, dass praktisch keine Eigenwerbung betrieben wird. Trotzdem kommen Tausende zu einer Veranstaltung, die zu den ganz speziellen Attraktionen der Müritzregion gezählt werden kann. Es locken Musik, Theater, Performance – und vier Tage Ferienkommunismus.

Wer dabei sein will, muss Glück haben

„Ohne Eintrittskarte geht gar nichts“ – das ist ein Satz, den Martin Eulenhaupt immer öfter sagt, je näher das letzte Juniwochenende rückt. Eulenhaupt ist Vorsitzender des Vereins Kulturkosmos Müritzsee e.V. , dem Veranstalter des Fusion Festivals in Lärz. Für das Fusion Festival 2016 sind bereits alle Tickets verkauft. 70.000 Menschen werden kommen – wohl dem, der sich eine Eintrittskarte sichern konnte.

Wenn der Wind richtig steht, bekommen Sie im Ferienpark Mirow ganz ohne Eintrittskarte eine Portion von der Musik ab. Je weiter das eigene Ferienhaus vom See entfernt ist, desto weniger überträgt sich der Schall. In den vergangenen Jahren trug der Wind die Klänge des Festivals manchmal herüber – einigen Gästen des Aparthotels Seepanorama, unserem Wellnesshotel in Mecklenburg, war es schon etwas zu laut. In den meisten Fällen ist von der Musik jedoch nichts zu hören – und Gäste des Ferienpark Müritz sind so weit von dem Festival entfernt, dass bis dorthin keinerlei Geräusche dringen.

Schöner ist es da doch, live beim Fusion Festival dabei zu sein und sich das Spektakel vor Ort anzuschauen. Sie sollten sich allerdings bereits im Winter um die Tickets bemühen – im Dezember muss man sich auf der Homepage des Festivals registrieren, um an der Verlosung der Eintrittskarten teilnehmen zu können.

Sänger in rotem Bühnenlicht

Auch das Fusion Festival begann einmal klein

Dass man solche eine Verlosung einmal brauchen würde, dachte wohl keiner aus der Gruppe jüngerer Kulturaktivisten aus Hamburg und Berlin.

  • Mitte der neunziger Jahre suchten sie einfach nur eine geeignete Partylocation.
  • Der frühere Militärflughafen, den die russische Armee 1993 verlassen hatte, machte auf den ersten Blick einen eher trostlosen Eindruck.
  • Aber man kam zurück und 1997 gab es das erste Festival. 600 bis 700 Zuschauer kamen, alles war chaotisch, es musste vieles improvisiert werden.

Doch der Charme der Region und des Festivalgeländes nahm nicht nur die Veranstalter gefangen, sondern von Jahr zu Jahr auch mehr und mehr Zuschauer. Inzwischen sind die Kapazitätsgrenzen erreicht und das Fusion Festival zählt zu einem der kulturellen Leuchttürme des ganzen Bundeslandes. In gewisser Hinsicht aber hat sich eines seit den Anfangstagen überhaupt nicht geändert.

Ein Gegenentwurf zum Kulturbetrieb

Das Fusion Festival versteht sich nämlich als Gegenentwurf zu vielem, was den aktuellen Kultur- und Festivalbetrieb kennzeichnet. Vor allem versteht man sich als unkommerziell, wenigstens für vier Tage soll ein alternativer Gesellschaftsentwurf wahr werden. Die Einnahmen werden für den Ausbau des Geländes verwendet, satte Gewinne streicht keiner ein. Einen Groß- oder Hauptsponsor gibt es nicht, die Macher treten für Frieden ein und bevorzugen vegane und vegetarische Ernährung.

Zu dem antikommerziellen Akzent passt, dass es keine Möglichkeiten gibt, mit den Eintrittskarten am Schwarzmarkt Geld zu verdienen. Die Tickets werden personalisiert verkauft – auf das Gelände kommt nur der, dessen Name auf dem Ticket steht. Selbst irgendwelche Schriftstücke, die das Zugangsrecht von einem Käufer auf einen anderen übertragen, werden nicht anerkannt. Wer nicht kommen kann, gibt sein Ticket zurück, und es wird erneut verkauft. Einen Wunschkäufer kann man angeben, mehr nicht.

Die Philosophie der Veranstalter schlägt sich auch darin nieder, dass nicht nur keine Werbung, sondern auch keine Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird. „Medienberichterstattungen jeglicher Art, lokale Presse ausgenommen, entstehen grundsätzlich ohne unser Einvernehmen“, heißt es auf der Internetseite der Veranstalter. Aber auch von den sozialen Netzwerken hält man sich absichtsvoll fern.

Arme in die Luft gestreckt

„Fusion Festival“ – der Name ist Programm

Und so gibt es auch keine offiziellen Informationen darüber, wer auf den Festivalbühnen steht. Über 700 Künstler sind es in den letzten Jahren jeweils gewesen, 2016 wird es nicht anders sein. Natürlich steht die Musik im Mittelpunkt, der Schwerpunkt liegt traditionell auf aktueller, elektronischer Musik. Dubstep, Breakbeat, Dub, Trance und Goa – stilistisch ist man auf der Höhe der Zeit.

Dazu gibt es auch Rock und Hip-Hop, Jazz und Reggae, Metal und Polka, Liedermacher und Ska – fast jeder findet etwas für seinen persönlichen Geschmack. Und eben nicht nur Musik:

  • Kino und Hörspiele,
  • Kleinkunst und Theater,
  • Kabarett,
  • Performances
  • und Installationen.

Das Fusion Festival trägt seinen Namen zurecht! Natürlich werden im Internet immer die Namen von Bands gehandelt, die dabei sein sollen. Sicher kann nur sein, wer dann auch wirklich vor Ort ist. Wenn Sie nicht dabei sein können, lassen Sie es sich hinterher erzählen – oder spitzen Sie in einem der All Season Parks die Ohren.

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